Das Stück und sein Erfinder

Maurice Ravel: ›Boléro‹

Eine Jacke, ein Tanz oder ein weltberühmtes Stück Musik – wer oder was ist eigentlich dieser ›Boléro‹? Antwort: Alles drei trifft zu, aber in diesem Fall interessiert uns vor allem das Musikstück ›Boléro‹, das der französische Komponist Maurice Ravel im Jahr 1928 geschrieben hat. Das Besondere am ›Boléro‹: Mit scheinbar einfachsten Mitteln wie der allmählich anschwellenden Lautstärke entwickelt das Stück eine zuvor ungekannte Sogwirkung. Dabei verfügt es nur über einen einzigen Rhythmus, der sich während des gesamten Stücks kein einziges Mal verändert! Auch wenn wir so etwas heute im Bereich der Pop- und Rockmusik häufiger finden – für ein klassisches Musikstück, das vor fast 100 Jahren komponiert wurde, war dieser Rhythmus in Endlosschleife einzigartig. Auf die Frage, welcher besonderen Komponisten-Schule er denn angehöre, antwortete Maurice Ravel daher für gewöhnlich: »Überhaupt keiner, ich bin Anarchist!« – also jemand, der sich von niemandem etwas vorschreiben lässt.

So ganz stimmt der Satz von Ravel allerdings nicht, denn immerhin ist der ›Boléro‹ eine Auftragsarbeit. Auftraggeberin war die berühmte russische Tänzerin, Schauspielerin und Choreografin Ida Rubinstein. Ravel sollte für sie die Musik für einen spanischen

Tanz – einen sogenannten Boléro – komponieren. Zum ersten Mal aufgeführt wurde das Stück schließlich in der Pariser Oper vor einem begeisterten, aber mitunter auch erstauntem Publikum. »Der Mann ist ja verrückt!«, soll eine Frau aus dem Publikum angesichts der musikalischen Darbietung gerufen haben. Maurice Ravel nahm dies als Kompliment: Sie sei die Einzige, die sein Werk verstanden habe, soll er der Frau entgegnet haben.

Ob nun verrückt, anarchisch oder einfach nur einfach – Ravels ›Boléro‹ ist ein Welthit und Ohrwurm zugleich und gerade durch seine ungewöhnliche Form eine Meisterleistung! Doch nur noch wenige Jahre konnte der 1875 geborene Komponist, der auch für seinen eleganten und modischen Stil bekannt war, seinen Ruhm genießen. Bereits in den 1920er Jahren erkrankte Ravel und litt unter Schlaflosigkeit und starken Kopfschmerzen. Durch einen unglücklichen Autounfall, den er als Taxifahrgast erlebt, verliert er sogar die Fähigkeit zum Komponieren. Der Tod ereilte ihn schließlich im Jahr 1937 mit 62 Jahren. Was bleibt, ist seine unvergessliche Musik – und ein 1300 Meter hoher Berg in der Antarktis, der nach ihm benannt wurde: der Ravel Peak!