Das Stück und sein Erfinder

Georg Friedrich Händel: ›Die Ankunft der Königin von Saba‹

Wenn eine Königin zu Besuch kommt – was für Musik könnte für diesen Anlass die passende sein? Diese Frage hat sich der Komponist Georg Friedrich Händel wahrscheinlich auch gestellt, als er im Jahr 1748 das Stück ›Die Ankunft der Königin von Saba‹ für sein Oratorium ›Salomon‹ komponierte! Bis heute zählt das Stück, das den Besuch der glamourösen Königin am Hofe des israelitischen König Salomons in schwungvoll-festliche Töne fasst, zu den beliebtesten Werken des Barock. Doch wer ist die Königin aus Händels Stück? Und was hat das Ganze mit Geheimagent 007 – besser bekannt als James Bond – zu tun?

Der Legende nach muss sie reich, sagenhaft schön und überaus klug gewesen sein. In der Bibel wird von ihrem prachtvollen Einzug in den Königspalast Salomons und ihrem besonnenen Auftreten berichtet – sowie von den wertvollen Gastgeschenken, mit denen sie sich dem ebenfalls reichen und für seine Weisheit bekannten König Salomon als würdig erweisen will. Ja, dieser Besuch war wohl so etwas wie ein Spitzentreffen zweier mächtiger Regierungschefs vor 3.000 Jahren! Auch in alten jüdischen Schriften und im Koran findet die diplomatische Zusammenkunft der beiden Regenten Erwähnung. Tatsächlich ist jedoch nicht bewiesen, ob die Königin von Saba wirklich gelebt hat oder nur ein Mythos ist.

Dem 1685 in Halle an der Saale geborenen Georg Friedrich Händel jedenfalls diente die biblische Geschichte als Vorlage für sein berühmt gewordenes Stück Musik. Der schon zu Lebzeiten sehr erfolgreiche Komponist stammt aus der Epoche des prunkvoll-verschnörkelten Barock – und das spiegelt sich auch in seiner melodienreichen und üppig verzierten Musik zur ›Königin von Saba‹ wider. Eine besondere Würdigung erfuhr das Stück rund 260 Jahre nach seiner Uraufführung – und zwar nicht mit einer Ankunft, sondern einem königlichen Abflug: Anlässlich der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in London wurde Queen Elisabeth II. vom ›Geheimagenten ihrer Majestät‹ – Daniel Craig – zu den barocken Händel-Klängen in einen Helikopter geleitet.

Was für ein Auftritt!